Das agile Manifest als Ursprung der Agilität

Back to the Roots!

© KPH, JG

In den 1990er-Jahren wurde es immer ersichtlicher: Klassische Projektmanagement-Methoden waren nicht mehr geeignet, der sich immer schneller verändernden Umwelt in der Softwareentwicklung zu begegnen – mehr noch: Sie verhinderten regelrecht die rasche Entwicklung von neuer Software.

Ich darf an meinen Artikel über die VUKA-Welt erinnern: Die Welt ist komplex – und komplex bedeutet, dass keine sichere Vorausplanung und keine sicheren Aussagen über die Zukunft möglich sind. Daher brauchen wir alternative Haltungen und Methoden, dieser Welt zu begegnen.

Im Jahre 2001 wurde das „Manifesto for agile Software Development“ von einer Gruppe von Softwareentwicklern formuliert und veröffentlicht. 
Der Anspruch: „Wir suchen nach besseren Wegen, Produkte zu entwickeln, indem wir es selbst praktizieren und anderen dabei helfen, dies zu tun.“ 

Das agile Manifest besteht aus 4 „Werten“ und 12 Prinzipien.
Die Werte beschreiben Grundhaltungen zur Zusammenarbeit.
Diese 4 Grundhaltungen möchte ich in Folge zitieren, um sie dann in ihrer Relevanz für den Bildungsbereich „abzuklopfen“ – und dies auf zwei Ebenen:
Ebene 1: Die Schule als lernende Organisation
Ebene 2: Die Schule als Bildungsraum für Schüler:innen


Die Grundhaltungen/Werte des agilen Manifests:

  1. Individuen und Interaktion haben Vorrang vor Prozessen und Werkzeugen.
  2. Funktionsfähige Produkte haben Vorrang vor ausgedehnter Dokumentation.
  3. Zusammenarbeit mit den Kunden habt Vorrang vor Vertragsverhandlungen.
  4. Das Eingehen auf Änderungen hat Vorrang vor strikter Planverfolgung.


Ein Übertragungsvorschlag auf der Ebene „Die Schule als lernende Organisation"

  1. Die spezifische Zusammensetzung des Kollegiums und der Lernenden, die damit verbundenen Stärken und Bedürfnisse haben Vorrang.
    Stichwort: „Kommunikation"
  2. Das Erreichen von für das Wachstum der Schüler:innen relevanten Meilensteinen und Zielen wird gesucht, diskutiert und ist von großer Bedeutung.
    Stichwort „inkrementelles Arbeiten"
  3. Woran gearbeitet wird ist das Produkt einer echten Zusammenarbeit von Beteiligten wie Schulleitung, Lehrkörper, Eltern, Schüler:innen etc.
    Stichwort: „Co-Kreation"
  4. Schritte Richtung Meilensteine/Ziele haben experimentellen Charakter und werden regelmäßiger Reflexion unterzogen mit dem Anspruch, modifiziert und angepasst zu werden.
    Stichwort „Learning by Doing"


Ein Übertragungsvorschlag auf der Ebene „Die Schule als Bildungsraum"

  1. Die Lernenden sind wichtiger als der Lehrstoff.
    Stichwort: „Beziehung"
  2. Was Schüler:innen mitnehmen und sich zu eigen machen ist das wichtigste Kriterium von Lernerfolg.
    Stichwort: „Das neue Lernen"
  3. Contracting und echte Gestaltungsräume für Schüler:innen sind immanenter Teil der Schulkultur.
    Stichwort: „Partizipation"
  4. Regelmäßige Reflexionsschleifen halten die Unterrichtsgestaltung flexibel.
    Stichwort: „Feedback"

Schule aus dieser Perspektive betrachtet gibt Anlass zu viel Diskussion. Hier ein paar Fragen, die sich aus dem agilen Manifest ergeben und die es wert sein könnten, sich ihnen zu widmen:

  • Was bedeutet das agile Manifest für unseren jeweiligen Zielraum?
  • Welche Grundhaltungen für unsere Zusammenarbeit sind uns für unseren Standort wichtig? 
  • Wie werden diese Werte gerade gelebt? Wie wollen wir, dass sie gelebt werden?

Anmerkungen und Fragen gerne per Email an mich.

Inzwischen herzliche agile Grüße,
Ulli Horak