„Religion: Letzte Dinge“ Kremser Kamingespräch on tour in Großrußbach

Mag. Dr. Doris Lindner, Soziologin und Pädagogin Kirchliche Pädagogische Hochschule Wien/Krems und Weihbischof DI Mag. Stephan Turnovszky, Erzdiözese Wien diskutierten am Mittwoch, 13. Februar beim Kremser Kamingespräch on tour im Bildungshaus Schloss Großrußbach zum Thema „Religion: letzte Dinge“.

Dr. Edgar Niemeczek, Kultur.Region.Niederösterreich, der für Konzept und Inhalt der Kremser Kamingespräche verantwortlich zeichnet, begrüßte die Besucher im Festsaal, darunter auch Cäcilia Kaltenböck, Vereinsobfrau Verein der Freunde und Förderer des Bildungshauses, Maximilian Kaltenböck, Franz Knittelfelder, Direktor des Bildungshauses Schloss Großrußbach, den ehemaligen Landespolizeikommandanten Arthur Reis sowie Anton Nimmervoll, Chorverband NÖ und Wien.

Durch den Abend führte Dr. Reinhard Linke, ORF NÖ.

Die Frage nach dem Unterschied zwischen den Begriffen Religion und Glaube eröffnete das Gespräch. Sowohl Turnovszky als auch Lindner meinten, dass man beides nicht gleichsetzen dürfe, sondern eine Trennung der Begrifflichkeiten für das Verständnis unabdinglich wäre. Während das Bekenntnis zu einer traditionellen Religionsgemeinschaft stetig sinke, gehöre die Sehnsucht nach Spiritualität zum Wesen des Menschen. Weihbischof Turnovszky zufolge steige die Individualisierung bei der Religionswahl. Glaubensinhalte würden willkürlich selektiert und unangenehme Bereiche einfach ausgeblendet.

Den Themenbereich „Letzte Dinge“ sahen beide Diskussionspartner als besonders schwierig an. Beide engagieren sich in der Hospizbewegung und können daher auf Schlüsselerlebnisse zurückgreifen. Dabei seien zahlreiche schöne Gespräche entstanden, so Lindner. Viele Menschen würden sich jedoch nicht mit dem Thema Tod und Sterben beschäftigen wollen, da der Tod laut Lindner nicht zum Entwurf vom „schönen“ Leben passe. Turnovszky zeigte Verständnis für das Verdrängen dieses heiklen Themas. Viele würden die Auseinandersetzung mit der eigenen Endlichkeit als ein wichtiges, jedoch nicht dringendes Thema sehen. Sowohl Doris Lindner als auch Stephan Turnovszky meinen, dass der Glaube an ein „Leben nach dem Tod“ oft auch als Mittel gegen die Angst vor dem Sterben gesehen werde. Turnovszky betonte in diesem Zusammenhang, dass es vielmehr bedeutend sei, sich im Leben neben dem „Dringenden“, Zeit für „Wichtiges“ zu nehmen, also für Familie, Freunde oder soziales Engagement.

Die Gäste im Saal beteiligten sich rege an der Diskussion. Auf Radio NÖ wird das Gespräch am Mittwoch, 20. Februar, ab 21.00 Uhr in voller Länger gesendet. Danach kann man die Sendung online auf www.volkskulturnoe.at nachhören. Die Kremser Kamingespräche sind eine Veranstaltungsreihe der Volkskultur Niederösterreich in Kooperation mit dem ORF Niederösterreich.

Das nächste Kremser Kamingespräch findet am Mittwoch, 13. März im Haus der Regionen, Krems-Stein statt und thematisiert „Das Wetter: Meteorologische Szenarien“ mit Michael Krobath, Geschäftsführer des Umwelt-Bildungs-Zentrum Steiermark und Dr. Alexander Podesser, Leitung Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik Graz.