SU-NAWI – BLOG

Ein Blog zu den naturwissenschaftlich-technischen Themen des Sachunterrichts


 

Kreislaufwirtschaft als Möglichkeit SDG 12 zu erreichen

"One man's trash is another man's treasure."

Dieses alte englische Sprichwort passt aus meiner Sicht wunderbar zum zwölften SDG. Nicht nur das Ziel ist im Blick auf die Endlichkeit der Ressourcen auf der Erde extrem wichtig, auch das Icon ist fantastisch gewählt. In der zweifachen Symbolik der in sich geschlossene liegende Acht, zeigt es einerseits die Notwendigkeit die Stoffe in einen Kreislauf zu bringen auf und stellt andererseits die Unendlichkeit im Sinn der ständigen Wiederverwendung der Ressourcen dar.

Die Idee der Kreislaufwirtschaft ist nicht neu. Ein Blick in die Natur zeigt, dass in einem Ökosystem unzählige Kreisläufe ineinandergreifen, sodass die Abfallprodukte eines Prozesses als Ausgangsprodukte anderer Prozesse verwendet werden. Der Mensch ist vor allem durch die industrielle Revolution von diesem Prinzip abgerückt. Das SDG 12 formuliert das Ziel, wieder dahin zurückzukehren.

Das Prinzip Recycling wurde vor allem Ende der achtziger und Anfang der neunziger Jahre durch das Schul- und Bildungssystem erfolgreich forciert. Die Schüler*innen lernten in den Klassen Papier, Glas, Metall usw. zu sammeln und zu trennen und trugen dieses Wissen oft in die privaten Haushalte. Diese Initiative hat sich meiner Beobachtung nach leider etwas verlaufen. Dies ist besonders schade, da der bewusste Umgang mit dem eigenen Müll eine wichtige Voraussetzung für einen Einstieg in die Ressourcenschonung ist.

Ein Trend der letzten Jahre ist das „Upcycling“, der Abfallprodukte nicht nur „recyceln“ soll, sondern diese tatsächlich als Ausgangsstoffe für neue Produkte verwendet. So finden sich Taschen aus Tetrapack oder LKW-Plane, Möbel aus Bauholz oder Paletten und vieles mehr. Vor allem im Bereich der Kleidung (Atlein oder Ecoalf) und von Turnschuhen (etwa Addidas) finden sich mittlerweile Produkte, die bis zu 100% aus Materialien bestehen, die davor schon einmal verwendet wurden. Möglich machen dies neue Verfahren und Techniken, welche Kunststoffe auftrennt, zerkleinert und danach wieder in Rohprodukte wie Granulat oder Garn verwandelt (siehe etwa die Initiative Seaqual). Der Knackpunkt ist hier, wie bei allen Upcycleprozessen die sortenreine Auftrennung der Stoffe vor der Weiterverarbeitung. Dieser Prozess ist oft schwierig bis unmöglich, da bei der ursprünglichen Produktion nicht auf die Nachverwendung geachtet wurde.

Auch wenn die eben genannten Initiativen wichtige Bausteine sind, so bleibt dennoch der größte und wichtigste Hebel die Reduktion des Ressourcenverbrauchs. Ein Produkt, welches nicht gebaut wird, verbraucht keine Ressourcen. Daher schließe ich mit einem Appell weniger, dafür hochwertiger zu kaufen und öfter einmal die Möglichkeit der Reparatur zu bedenken.
 

Dr. Thomas Plotz

Erstellt von: Christian Nosko
27. April 2021