Ullis agile Ecke – Reflexion in der Retrospektive

oder: Warum tun wir das eigentlich so?

© KPH, JG

Wir tun es eh, oder?
Drüber reden, uns austauschen, Wissen und Materialien teilen und so … 
Jedoch – für so eine richtig gute, strukturierte und regelmäßige Reflexion – dafür nehmen wir uns in der Schule sicher noch zu wenig Zeit.
Denn wir haben ja wirklich viel Anderes zu tun …

Dabei läge die Motivation auf der Hand:
„Reflexionszeiträume dienen in der Entwicklung von Organisationen als Kristallisierungspunkte für Zukunftsfähigkeit und gesunden Wandel.“ (Held, Geißler 2020)

Professionelle Lerngemeinschaften (PLGs) oder Steuer-/Projekt-/Aktionsteams, die sich regelmäßig miteinander treffen, können, wie wir aus Wissenschaft und Praxis wissen, viel bewirken – nach innen und nach außen. Eine regelmäßige Reflexion ist ein dafür ein Qualitätsmotor.

Was  kann Reflexion?

  • Psychohygiene: Ich kann mit Abstand Dinge betrachten.
  • Ich kann Zusammenhänge, Gründe, erkennen.
  • Ich kann mich konzentriert austauschen und Erfahrungen, Gefühle etc. teilen.
  • Ich kann Handlungen ableiten, Verbesserungen einleiten.
  • Ich kann gut Gelungenes feiern.
  • Es motiviert mich für den nächsten Schritt.

 

Was ist dabei wichtig?

  • Es geht um ein Zeit finden und Räume gestalten.
  • Reflexionsroutinen schaffen 
  • Folgende Fragen beantworten:
  • Wozu reflektieren wir?
  • Was reflektieren wir?
  • Wie reflektieren wir – Welche Art der Reflexion passt da?

 

Die agile Methode der Retrospektive ist ein Herzstück agilen Handelns – denn es geht hier darum, den Teams die Prozesse zurückzugeben, und das in einer geleiteten und strukturierten Weise: 

Eigentlich geht es bei jeder Retro um die entscheidende Frage: WARUM TUN WIR DAS EIGENTLICH SO?
Die einzelnen Teile dieser Frage zu betonen bringt jeweils einen weiteren Fokus:
WARUM tun wir das eigentlich so?
Warum tun WIR das eigentlich so?
Warum tun wir das eigentlich SO?

Eine Retro hat fixe Regeln und einen klaren Ablauf:

  • Intro – Ablauf und "Regeln" für die kommende Retro
  • Set the Stage – Ankommen, Gesprächsklima schaffen
  • Gather Data – Emotionen, Daten und Fakten sammeln
  • Generate Insights – Einsichten generieren, Verständnis für Daten und Fakten erzeugen, Arbeitshypothese entwickeln
  • Decide what to do – Handlungsoptionen entwickeln, konkrete Maßnahmen/Teamregeln vereinbaren
  • Closing the Stage – Ausklang und Abschluss, Gefühle, Erkenntnisse...

 

Warum ich regelmäßige Retros gerne in Schulentwicklungsprozesse anrege bzw. moderiere?

  • Gute Retros bringen Teams immer voran. Sie reflektieren ihre Prozesse, ihre Regeln und Verhaltensweisen (Faktoren der Teamarbeit) Sie vereinbaren Änderungen, die zur Verbesserung führen.
  • (Es werden übrigens nur wenige Vereinbarungen getroffen, diese jedoch von allen getragen.)
  • Es geht um stete, iterative Optimierung.
  • Retros bringen Klarheit.
  • Durch den klaren Rahmen und die Unterteilung in sechs Phasen verlassen wir den Bereich unprofessioneller Arbeitstreffen.
  • Retro ist klassisches Agieren im PDCA Zyklus, dabei Sowohl für Plan als auch für Check nutzbar.

 

Neugierig geworden?

Schreiben Sie uns!
Denken Sie weiter!
Lesen Sie weiter!

Herzliche agile Grüße,
Ulli Horak

Literatur:

Felix Held & Jonas Geißler. 2020. Zeit für Reflexion. Veränderungsimpulse jenseits von Routinen. In Organisationsentwicklung, Handelsblatt Media Group. Ausgabe 3/2020

Judith Andresen. 2017. Retrospektiven in agilen Projekten. Carl Hanser, München.

www.retromat.org